Silbermünze für Kaiser Leopold I.

© Fotos Udo Gruber


Silbermünze für Kaiser Leopold I.

Die Silbermünze aus dem 17.Jahrhundert wurde bereits 1970 bei einer Feldbegehung auf den Fluren von Burghöfe, Gemeinde Mertingen, gefunden. Nach über 50 Jahren kam sie durch Schenkung aus dem Nachlass des Finders an den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte. Die mit einer schwachen Patina aus Silbersulfid überzogene 3 Kreuzer Münze des österreichischen Kaisers Leopold I. (1640-1705) ist gut erhalten. Der Zustand wird in der Numismatik als ss, d.h. „sehr schön“ bezeichnet. Sie wurde 1670 in Breslau, Schlesien, geprägt.

Avers: Kaiserportrait

Das Münzbild zeigt auf der Vorderseite ein Brustbild des Kaisers mit Lorbeerkranz nach rechts, darunter im Kreis das Wertzeichen ( 3 ). Die Inschrift lautet LEOPOLD : D.G.I.S. [ 3 ] A.G.H.B.R.
Das steht abgekürzt für: LEOPOLD DEI GRATIA ROMANORUM IMPERATOR SEMPER AUGUSTUS GERMANIAE HUNGARIAE ET BOHEMIAE REX

Revers: Doppeladler

Auf der Rückseite erkennt man den bekrönten Doppeladler und das genealogische Wappen der Habsburger, zweigeteilt für Österreich und Burgund. Darunter das Münzzeichen SHS. Die Inschrift lautet A R C H I D A U (SHS) B 8 & S I L 1670. ARCHID, ergänzt werden muss UX, steht für Archidux (= Erzherzog), AU steht für Austriae (= Österreich). SHS bezeichnet den Namen des Münzmeisters Salomon Hammerschmid, der an der schlesischen Münzstätte Breslau von 1669-1691 die Münzen hergestellt hat. Und DUX B&SIL lässt sich lesen als DUX BURGUNDIAE & SILESIAE und bedeutet Herzog von Burgund und Schlesien.

Leopold I.

Im Jahre 1654 wurde Leopold nach dem Tod seines älteren Bruders Ferdinand alleiniger Erbe der Habsburger Erblande. Er war gerade 14 Jahre alt. Von 1658-1705 war er Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König von Germanien (ab 1654), Böhmen (ab 1656), Kroatien und Slowenien (ab 1657).
Leopolds Regierungszeit war der Beginn der Großmachtstellung der Habsburger Monarchie. Leopold selbst, von Gestalt klein und grundhässlich, war eigentlich für eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Obwohl er streng katholisch durch Jesuiten erzogen worden war, trat er in seiner Regierungszeit als Bewahrer der Konfessionen auf.

Leopold I. „Türkenpoldi“

Außenpolitisch stand seine Regierungszeit im Zeichen der Abwehr der französischen Expansion unter Ludwig XIV. im Westen und der osmanischen Expansion im Osten (2. Belagerung von Wien). Nach der erfolgreichen Abwehr der Türken konnte Ungarn noch zum Herrschaftsbereich dazu gewonnen werden.

Text Udo Gruber

Literatur