Römische Schüssel – Terra Sigillata


Reliefschüssel Dragendorff 37

Die gut erhaltene Schüssel ist der Form 37 nach Dragendorff zuzuordnen. Unter einer glatten, dekorlosen oberen Zone und einem Blattschnittfries sind Tiere zu erkennen, vielleicht Jagdmotive.
Die Schüssel gehört zur Objektgattung "Terra Sigillata".

Terra Sigillata

Terra Sigillata ist die moderne Bezeichnung für römische Feinkeramik, die Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. in italienischen Werkstätten (Arezzo) entwickelt wurde und sehr schnell große Beliebtheit im ganzen römischen Reich erlangte. Der Begriff Terra Sigillata entstammt allerdings erst dem 18. Jahrhundert. Er bezeichnete ursprünglich Pastillen aus roter Heilerde, die mit Reliefbildchen dekoriert waren. Terra Sigillata gibt es in den unterschiedlichsten Formen und diente vor allem als Tafelgeschirr. Am häufigsten finden sich Teller, Näpfe, Schalen und Schüsseln in verschiedenen Größen.

Farbgebung von rot-orange bis kirsch-rot

Optisch ist Terra Sigillata "TS" nicht nur durch die leuchtend rote Farbgebung, sondern auch durch eine glänzende Oberfläche gekennzeichnet, die das Resultet eines feinen Tonüberzuges ist. Die rote Farbe kommt von einem stark eisenoxidreichen Ton.

Werkstätten auch bei Augsburg

Die einzelnen Werkstätten, die bald vielerorts entstanden, markierten ihre Waren mit individuellen Werksstempeln und bevorzugten zudem bestimmte Dekorationsarten und -motive.
Die Erforschung der TS hat in der Archäologie eine lange Tradition. Erste chronologische Einteilungen stammen von Hans Dragendorff (1896). Seine Datierung stützt sich vor allem auf die Formen, sowie die Hersteller- und Bildstempel. Besonders die Töpferstempel aber auch die Dekoration und die weite Verbreitung des Materials haben TS zu einem bevorzugten Datierungsmittel der provinzialrömischen Archäologie werden lassen. Unterschiedliche Dekorationsverfahren sorgten für eine große Vielfalt, können der modernen Forschung aber auch dabei helfen, einzelne Werksbetriebe zu identifizieren und die einzelnen Stücke über Länder hinweg zu verfolgen. Sehr bekannte Werkstätten befanden sich beispielsweise in Südgallien (La Graufesenque) und Rheinzabern.
Aber auch im Landkreis Augsburg wurde TS hergestellt. Große Töpfereien befanden sich in Schwabegg /Schwabmünchen (Rapis) und in Westheim.