Ausgrabung Nordendorf

2015 - 2016

„Römische Pfützen am Rande der Fernstraße via claudia“

Das Gelände im Norden der Gemeinde Nordendorf liegt zwischen der B2 und der Bahnlinie Augsburg – Donauwörth. Es ist als Gewerbegebiet ausgewiesen und Zug um Zug sollen hier Gewerbebetriebe angesiedelt werden.Das Planungsgebiet liegt in der sog. Lech – Wertach – Ebene auf einer flachen Geländeterrasse zwischen Lech im Osten und Schmutter im Westen, die nicht unmittelbar hochwasserbedroht ist.
Das Gelände ist weitgehend eben. Es handelt es sich um eine postglaziale, mit feinsandigem Auelehm und -mergel bedeckte Aufschüttungsebene des Lechs, wo sandige Lehmböden und Auemergel vorherrschen. Geologisch bestehen hier meist jungholozäne Ablagerungen im Auenbereich bei polygenetischer Talfüllung, z.T. würmzeitlich (Mergel, Lehm, Sand, Kies). Die Böden werden als intensive Ackerflächen genutzt. Der Agrarleitplan weist hier Ackerstandorte mit günstigen Erzeugungsbedingungen aus.

Bereits 1844 fand in der Nähe eine Ausgrabung statt

Die Trasse der römischen Fernstraße via claudia begleitet bzw. kreuzt hier die Streckenführung der Bahntrasse und ganz in der Nähe lag das berühmte frühmittelalterliche Reihengräberfeld von Nordendorf, das bereits um 1844 ausgegraben worden ist.

Aus diesem Grund wurden auf dem gesamten Gelände zunächst Sondierungen durchgeführt. Der Oberbodenabtrag erbrachte ein erstes Fundstück und einen Befund. Im Süden Geländes war bereits Kiesabbau erfolgt, dort war keine Archäologie mehr zu vermuten. Die Gemeinde Nordendorf betraute den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg mit der Rettungsgrabung, die an insgesamt sieben Samstagen Ende 2015 und Anfang 2016 mit ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Arbeitskreises durchgeführt wurde.

Ein übliches Fundspektrum

Insgesamt wurden 7 Befunde untersucht. Es liegt im Wesentlichen ein übliches Fundspektrum aus Knochensplittern, kleinteiligen Baukeramik-Fragmenten und meist stark zerscherbter Keramik vor, darunter wenig Terra Sigillata, eine winzige rätische Wandscherbe mit Dekor und vereinzelt wohl auch vorgeschichtliche Keramik.

Funde aus den römischen Pfützen helfen bei datierung

Die einzigen Befunde, die datierbare Fundstücke erbrachten, sind die Befunde 003 und 007. Die werden als Einschwemmungskuhlen interpretiert, es sind „römische Pfützen“, in denen sich einiges angesammelt hatte! Interessant ist der Henkel einer Amphore mit Stempel, der immerhin spanische Provenienz (Hispania Baetica) beweist, also aus Südspanien kommt und als Typ Dressel 20 bezeichnet wird. Außerdem konnte eine kleine (Militärgürtel-?) Applikation aus Bronze (wieder) gefunden werden.
Die drei aufgefundenen römischen Münzen sind in die 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts n.Chr. zu datieren. Eine Münze, Fund Nr. 071, ein Constantin I, um 320 n. Chr. gibt als Münzstätte London an und belegt ebenfalls internationalen Handelsverkehr!

Funde aus der Ausgrabung Nordendorf 2015/2016

> Karte Fundstellen: Ausgrabung Nordendorf

Henkel einer Amphore mit Stempel

Bei der Ausgrabung in Nordendorf 2016 durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte konnte der Henkel einer Amphore geborgen werden. Auf dem Fragment ist deutlich ein Stempel (sigillum) zu erkennen, woraus sich die Herkunft rekonstruieren lässt. Die Amphore gehört zum, Typ Dressel 20 und wurde in der spanischen Provinz Hispania Baetica, dem heutigen Andalusien hergestellt.

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Römische Münze aus Nordendorf

Römische Münze aus Nordendorf Die 2016 bei der Ausgrabung in Nordendorf gefundene Münze Follis Constantin I. Wird auf ca. 320 n. Chr. datiert. Die Münzstätte ist PLON (London), die Schrift unterhalb des Altars = Avers: CONSTANTINUS AUG, Büste n. rechts mit Lorbeerkranz und Zepter. Revers:  BEATA TRANQUILLITAS  ein Altar, darauf der Globus. Auf dem Altar findet sich die Aufschrift: VOTIS…
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Römische Münze aus Nordendorf

Follis des Constantin I aus Nordendorf Bei der Ausgrabung 2015 in Nordendorf wurde diese Münze ausgegraben. Bei der Münze handelt es sich um einen Follis des Constantin I. Das Münzbild unterscheidet sich von der unter (D. Sear, RIC 518) nur dadurch, dass zwischen den beiden Soldaten nur eine Standarte abgebildet ist. Datierung um 308/309. RIC 65,…
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Römische Münze aus Nordendorf

Obwohl die Schicht auf der Kleinmünze (Typ Follis) an mehreren Stellen abgeplatzt ist, konnte die Münze bestimmt werden. Auf der Vorderseite ist die Büste des Kaisers Constantinus I. mit Blick nach rechts abgebildet. Auf dem Kopf trägt er ein Diadem. Die umlaufende Schrift lautet: CONSTANTINUS AUG. Den entscheidenden Hinweis auf die Datierung ergab die Rückseite.

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