Pilzschulterbecher aus Blankenburg


Für besondere Anlässe oder sogar ein Kultgefäß

Als eines der schönsten Gefäße aus der Ausgrabung Blankenburg kann wohl der für die Münchshöfener Kultur ganz typische Pilzschulterbecher angesehen werden. Die Bezeichnung wird von seiner Form, welche einem Pilz ähnlich ist, abgeleitet. Bei diesem Becher handelt es sich nicht um Gebrauchs- oder Alltagsgeschirr, sondern sicherlich um ein Trinkgefäß für besondere Anlässe, vielleicht sogar um ein Kultgefäß für bestimmte Rituale.

Komplexe Verzierungen machen den Becher einzigartig

Der Becher weist sehr komplexe Verzierungen im Bereich der Schulter auf. Hier handelt es sich nicht um die in der Münchshöfener Kultur oft anzutreffenden umlaufenden Bänder, sondern um flächendeckend geometrisch gefüllte Felder. Das Verzierungssystem eines erhaltenen Feldes beruht auf einem abgewandelten Flechtbandornament: Gewinkelte Streifen, deren Umrandung aus Furchenstrichlinien besteht und die mit diagonal schraffierenden Furchenlinien gefüllt sind, greifen paarweise ineinander. Dieses im Prinzip unendliche Motiv wird auf den Seiten durch vertikale Zwischenfelder unterbrochen.

Die weißen Inkrustationen in den Pfeilstich- und Furchenstichlinien der Gefäßoberfläche sind deutlich zu erkennen. Wahrscheinlich wurden eine Paste aus Kalk gemischt und eingearbeitet, dadurch wurde die Ornamentik verstärkt und ließ den Becher plastischer erscheinen. Inkrustationen sind im Boden nicht ewig haltbar und unterliegen dem natürlichen Verwitterungsprozess, daher haben sich Inkrustierungen an den Blankenburger Keramikfunden in wenigen Fällen und nur teilweise erhalten.

Foto: Detailansicht der Verzierung im Schulterbereich

Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen

Da sich eine technische Zeichnung der komplexen Formen und Dekore als sehr schwierig erwies, wurde der Becher im Landesamt für Archäologie in Dresden, Abteilung III  Zentrale Fachdienste mit einem 3D Scanner eingescannt und eine Animation erstellt. Für die freundliche Unterstützung sind wir Herrn Dr. Florian Innerhofer und Herrn Dipl.-Ing. Thomas Reuter zu großem Dank verpflichtet.

Literatur