Ausgrabung Langweid

2013 - 2014

Von der Sondage zur Ausgrabung

Schnell sollte es gehen, wie so oft, mit der Erschließung des neuen Baugebietes im Zentrum von Langweid am Lech im Landkreis Augsburg! Die Grenzen des Bebauungsplanes umgreifen einen Teil des Altortes. Das Gebiet war lange Zeit einer intensiven Nutzung als landwirtschaftliche Betriebsflächen und Gartengelände unterworfen. Schon bei den ersten Sondierungen, die im Herbst 2009 durch das Landesamt für Denkmalpflege veranlasst und durch die Kreisheimatpflege und den Arbeitskreis begleitet wurden, zeigten sich viele Befunde, die nach den ebenfalls schon beim Abschieben zahlreich geborgenen Fundstücken in die römische Kaiserzeit zu datieren waren. Materialgruben und ein römisches Badegebäude, ein frühmittelalterliches Gräberfeld sowie zwei bronzezeitliche Befunde konnten bei den anschließenden archäologischen Untersuchungen durch eine Grabungsfirma dokumentiert werden. Damit war das Baugebiet archäologisch freigemacht.
Fast.
Im Bebauungsplan war ein Grundstück ausgespart geblieben. Auf einem Teil dieses Privatgrundstücks stand während der Ausgrabungszeit immer noch ein landwirtschaftlich genutzter Stadel, der nun abgerissen wurde.

Frühmittelalterliches Gräberfeld mit römischem Schleier

Auf der freigemachten Fläche ließen sich bereits beim Oberbodenabtrag im Bereich der geplanten Baugrube einige in Vergessenheit geratene neuzeitliche Betonstrukturen und Pfostengruben mit Resten der Holzpfosten, aber auch archäologisch relevante Verfärbungen erkennen. Einige wenige Befunde waren auf Grund der Orientierung, der Form und Größe sofort als Grabgruben zu identifizieren, die meisten sahen jedoch wie mehr oder weniger formlose Siedlungsbefunde aus. Diese Restfläche war insgesamt überschaubar und deshalb konnte jetzt doch noch der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte zum Einsatz kommen!

Zum Glück waren die Grabräuber schlampig

Leider zeigte sich bei der Grabung, dass alle der vom Arbeitskreis untersuchten 16 Gräber gestört waren. Die Grabräuber müssen die Grabstätten regelrecht durchwühlt haben, denn die Gebeine, sofern sie überhaupt noch vorhanden sind, liegen durch-einandergeworfen in der Erde und von den Beigaben finden sich nur noch Bruchstücke oder kleinste Fragmente.Und dann gibt es doch noch eine Überraschung: in einem Befund in dem ehemals sogar vom Stadel überbauten Bereich, bei dem wegen der unregelmäßigen Form im obersten Planum nicht zweifelsfrei zwischen Grab oder Grube zu unterscheiden war, tauchen im Profil zuerst vereinzelte Fragmente menschlicher Gebeine auf und außerhalb eines Eingriffs – jetzt wissen wir, das waren die Grabräuber- kann im Profil eine ziemlich seltene grün patinierte Griffschale aus Kupfer oder Bronze freigelegt werden. Wir haben hier wohl, völlig unerwartet, die merowingerzeitliche Grablege eines Adligen des 6./7. Jahrhunderts n. Chr. freigelegt. Aus diesem Grab kann dann später noch aus einer randlichen Lage im Grab eine große Lanzenspitze aus Eisen und ein in drei Teile zerbrochener Kamm aus Bein mit eingravierten Verzierungen geborgen werden. Die eigentlich zu einem vollständigen Ensemble gehörende Kanne fehlt dann leider doch. Sie ist vielleicht wirklich das Opfer der Grabräuber geworden.

Auch römische Fundstücke in den Befunden

Immer wieder finden sich in den Gräbern auch römische Fundstücke, die davon zeugen, dass die Bevölkerung des frühen Mittelalters sich vermutlich nicht in einem vollständig entvölkerten Landstrich niedergelassen hat, dass sie zumindest römische Relikte vorgefunden hat und diese auch gerne als Schmuck weiter verwendet hat. Scherben von rotglänzender Terra sigillita mögen einfach bei der Bestattung oder der Beraubung mit der Einfüllung in die Grabgrube gelangt sein. Römische Münzen sind jedoch teilweise mit Bohrungen versehen, so dass sie als Anhänger Verwendung finden konnten. In mindestens drei vermutlichen Frauengräbern lagen großflächig verstreut zahlreiche bunte Perlen aus Keramik, Quarzkeramik und Glas. Das vielleicht schönste Stück ist eine römische Melonenperle aus hellblauem, durchscheinendem Glas, die auch einer jungen Frau von heute gut zu Gesicht stehen würde.

Es sind oft die ganz kleinen Fundstücke die uns die Menschen von damals nahebringen, ihre Schicksale, ihre Geschichte…

Einige herausragende Funde aus der Ausgrabung

> Karte Fundstellen: Ausgrabung Langweid

Lanzenspitze

Während einer Ausgrabung in Langweid 2013/2014 konnte durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte in einem merowingerzeitlichen Grab eines Adligen des 6./7. Jahrhunderts n. Chr. eine Lanzenspitze geborgen werden. Die Lanzenspitze wurde bisher nicht restauriert und befindet sich noch im ausgegrabenen Zustand.

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Beinkamm

Während der Ausgrabung in Langweid 2013/2014 konne durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte in einem merowingerzeitlichen Grab eines Adligen des 6./7. Jahrhunderts n. Chr. ein verzierter Beinkamm geborgen werden. Kämme gehörten während der gesamten Merowingerzeit zur Totenausstattung von Männern und Frauen.

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Merowingerzeitliche Schale

Während einer Ausgrabung in Langweid 2013/2014 konnte eine ziemlich seltene, grün patinierte Griffschale aus Kupfer oder Bronze freigelegt werden. Der Fund ist die Grabbeigabe eines merowingerzeitlichen Grabes eines Adligen des 6./7. Jahrhunderts n. Chr.

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