Ausgrabung Langenreichen LBK

2005 - 2006

Eine Hofstelle der Linearbandkeramischen Kultur in der Lehmgrube Creaton

Es war eisig kalt, als im Dezember 2005 in der Lehmgrube Creaton die oberste Humusschicht mit dem Bagger auf einer neuen 30 m breiten und 200 m langen Fläche abgetragen wurde. Etwa auf gleicher Höhe wie die Gruben von Fläche 4 mit Material aus der Zeit der Linearbandkeramik (Befunde 195 – 200), die bereits 2003 ausgegraben werden konnten, legte die Baggerschaufel nun zwei extrem langgestreckte parallele Grubenkomplexe und mehrere kleinere runde Verfärbungen im Bereich zwischen diesen Gruben frei. Schon an der Oberfläche zeigten sich vereinzelt Keramikscherben mit dem linearen, gut zu datierenden Dekor der Linearbandkeramischen Kultur (LBK) und einige Abschläge aus Silex.

Erst als im Frühjahr 2006 die gesamte Fläche im Bereich des neuen Befundkomplexes erneut „überputzt“ war, zeigten sich zwischen den Längsgruben 19 Pfostengruben mit einem durchschnittlichen Durchmesser von etwa 40 cm. Ein Bezug der Pfosten untereinander deutete sich an: drei sichere, vielleicht auch vier Längsachsen und mehrere Querachsen konnten nachgewiesen werden, wobei die Pfostenstellungen nach Norden zu erheblich ausdünnen.

Die Größe des Hauses von Langenreichen kann mit etwa 4,50 m x 13,0 m angegeben werden, die Längen der hausbegleitenden Längsgruben betragen 12,0 m (Befund 217) und 10,0 m (Befund 218). Die leichte Drehung aus der exakten Nord/Südorientierung um ca. 3 Grad nach Westen zeigt sich erst auf der Planzeichnung. Ein solche Abweichung ist typisch für Häuser der LBK.

Die Linearbandkeramik ist überwiegend aus Siedlungen bekannt. Pfostenlöcher der Häuser und Gruben, die sich als Verfärbungen im Boden erhalten haben, zeigen, dass diese Häuser schon erstaunlich groß sein konnten. Es gibt Beispiele von Häusern mit 40 m Länge und 8 m Breite. Die Ausrichtung der Häuser war in der Frühphase regelhaft Nord-Süd und später Nordwest-Südost. Unmittelbar neben den Häusern erstrecken sich oft große unregelmäßige Gruben. Aus diesen Gruben wurde beim Bau der Häuser Lehm entnommen zum Bewerfen, bzw. Abdichten der Flechtwände. Später dienten sie als Abfallgruben und zum Auffangen und Ableiten des Regenwassers vom Dach.

Im Landkreis Augsburg war die LBK bis zum Beginn der siebziger Jahre gänzlich unbekannt. Dann wurden bei Inningen / Bobingen in Siedlungsbefunden (Gruben) Rand- und Wandscherben von kleinen Töpfen mit rundem Boden (Kümpfen) mit der markanten Verzierung gefunden. Eine weitere Siedlung wurde 1995 auf Großaitinger Gemarkung aufgedeckt. Im Lößboden zeichnete sich dort die Nordwestecke eines Hauses ab.

Das Haus der ersten Bauern

Das Haus in der Lehmgrube Creaton, Gemarkung Langenreichen, ist somit der erste vollständige Grundriss eines bandkeramischen Hauses im Landkreis Augsburg.

Lit.:
Erwin Keefer, Steinzeit, Sammlungen des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart, Band 1, Stuttgart: Theiss Verlag, 1993, 77 ff; Otto Schneider, Großaitingen: Grabengeschützte Siedlung der ältesten jungsteinzeitlichen Ackerbauern, in: 25. Jb HV 1995/1996, 25 ff; Catharina Kociumaka, Die Steinzeit im Landkreis Augsburg, in: Walter Pötzl und Otto Schneider, Vor- und Frühgeschichte, Archäologie einer Landschaft, Heimatbuchreihe Band 2, 35 ff;

> Karte Fundstellen: Ausgrabung Langenreichen LBK

Becher für Kult und Ritual

Von diesem kleinen Becher sind nur ein Randstück sowie ein Wandstück mit dem Ansatz des Bodens erhalten. Ohne Zweifel aber ist zu erkennen, dass dieser kleine Becher einen flachen Boden hatte. Dies ist für diese Kultur absolut außergewöhnlich ist. Sicher handelt es sich bei diesem Stück nicht um "Alltagsgeschirr", sondern vielleicht um einen Becher für…
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Kleiner Kumpf

In der Lehmgrube Creaton konnten die Reste eines großen Hauses mit den typischen, beidseits längs des Hauses liegenden Materialgruben und mehrere Siedlungsgruben ausgegraben werden. Es handelt sich dabei um einen "Einsiedlerhof" der jüngeren Linearbandkultur.

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Großes Vorratsgefäß mit Knubben

Mit der LBK beginnt in Mitteleuropa das Neolithikum, die Jungsteinzeit. Typisch ist die Wahl von Siedlungsorten, die sehr hohen Ansprüchen genügen mussten. Standortbedingungen waren fruchtbare Lößboden, Frischwasser in der Nähe, ein warmes, trockenes Klima und eine Höhenlage bis max 500 m ü NN.

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